7. April 2014

Der Zorn des Lammes – Bericht zum Buch: So harmlos, so zerstörerisch

Als der Aufruf gestartet wurde, wir könnten einen Bericht schreiben zu Johannes Groschupfs neustem Werk „Der Zorn des Lammes“, wusste ich nicht, in welch Welt ich dieses Mal gezogen werde.
Eigentlich kann man sich denken, dass es nach „Lost Places“ keine seichte Geschichte von ihm geben würde, sondern wieder eine Handlung, die packt und vielleicht auch Gänsehaut hinterlässt.

(Copyright: liegt beim Verlag)

Wer diesen Jugendbuchthriller vor sich liegen hat, dem wird schnell auffallen – egal was hinter dem Cover sich verbringt, es lässt nichts Gutes erahnen.
Wolle in Schwarz und Weiß ziert das Bild und mitten darin ein Schafskopf mit roten Augen. Ebenso ist die Titelgestaltung harmlos, aber doch aggressiv gestaltet, sodass schnell klar ist – hier geht es keinesfalls seicht zur Sache.

Zwei Hauptpersonen werden euch in diesem Buch über den Weg laufen.
Jazz ist eine junge Frau, die in Berlin strandet, um ihren Eltern entkommen zu können und um den Traum Journalistin zu verwirklichen.
Schnell werdet ihr merken, dass Jazz nicht das unbedarfte Mädchen ist, sondern wie jeder Mensch schleppt sie eine Last mit sich herum, die man in diesem Fall keinem wünscht.
Ihr Leben will sie normal gestalten und den Abstand nutzen, um endlich all ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen.

Neben Jazz existiert eine Figur, die euch einnehmen, für sich gewinnen und Gänsehaut verursachen wird - Milan.

Er ist so unscheinbar, gerade zu bemitleidenswert, aber sind es nicht diese Menschen, denen man nie schlimme Taten nachsagen würde.

 (Copyright: liegt beim Fotografen)

Milans Weltansicht werdet ihr in einer Art Tunnelblick erleben.
Er erzählt seine eigene Geschichte, eine Geschichte voller Zwänge und Medikamente, die seine Welt benebelten und ihn nie klar denken ließen.
Flucht, das Entschwinden in seine eigene Welt, wo nur er bestimmen kann und niemand ihn etwas wegnimmt.

Seit er mit der Straßenbahn 29, fuhr merkt man eines, er wird nicht nur Jazz verfolgen, sondern auch euch als Leser.
So unscheinbar, so gefährlich - so harmlos, so zerstörerisch.

Menschen mit einer anderen Warnnehmung werden als schizophren bezeichnet - Menschen mit einer spaltender Persönlichkeit.
Gerade Milan zeigt alle Anzeichen: Depressionen, Antriebsmangel, aber auch eine verschobene Denkstörung und Warnnehmung
Man könnte also durchaus sagen, willkommen in Johannes Groschupfs Aufführung des Dr. Jekyll und Mr. Hyde.

 (Copyright: liegt beim Fotografen)

Natürlich werdet ihr schnell feststellen, dass mit Milan etwas nicht stimmt, mit euch wird er auch reden, aber Jazz tappt in seine geteerten Fallen, die er überall auslegt.
Wie zarte Fäden winden sie sich durchs Buch, nehmen euch als Leser gefangen und zerren daran, genau hinzuschauen und mitzufiebern.

Quer durch das Buch geht es mit den Beiden, immer im Begleitung die Angst, dass etwas passieren wird … nun ich will, dass ihr ebenso zitternd hinter den Buchseiten euch eingraben werdet, also kommt nichts über diese Szenen über meine Tastatur. Aber eines kann ich euch versprechen, wer bei diesen großen, emotionalen und eigentlich total kranken Handlungen nichts fühlt, für den muss Johannes Groschupf eben ein neues Werk schreiben.

Und ehrlich gesagt bekommt man genauso Angst, was in dem Kopf dieses Autors alles so herumgeistert.
Ist er am Ende genauso harmlos anzusehen und in seinen Gedanken zerstörerisch?

 (Copyright: liegt beim Verlag)

Mit „Lost Places“ nahm er seinen Anfang und „Der Zorn des Lammes“ wird noch lange nicht das Ende sein - davon bin ich fest überzeugt!
Danke Johannes Groschupf für 189 Seiten voller Gänsehaut, offenen Mündern, dass aufregende mitfiebern und … einer Geschichte, die mich persönlich nicht losgelassen hat (Milan ist eben überall).

Kommentare:

starone hat gesagt…

Ja, leider auch so ein Problem unserer heutigen Zeit oder?

LG..starone..

johannes groschupf hat gesagt…

"ehrlich gesagt bekommt man genauso Angst, was in dem Kopf dieses Autors alles so herumgeistert..." Zu Recht! Zu Recht!
Vieln Dank für die schöne Renzension, die mir selbst einen kühlen Schauer über den Rücken jagt. Sprachlich wirklich toll formuliert.
Liebe Grüße
Johannes

Conny Z. hat gesagt…

Lieber Johannes,
die Rezi kommt noch :)

Alles Liebe,
Conny

Jörg (Frosch Sammler) hat gesagt…

Hi. Das Buchcover ist auch klasse geworden. Find ich auch wichtig!

Conny Z. hat gesagt…

Das stimmt - bei beiden sehr passend und ein richtiger Blickfang :D

Liebe Grüße,
Conny